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Mallorca, Bergtour zum Massanella (1365 Meter)

Schneehäuser, ein Karstschacht und die „Fliegenquelle“

Die etwa fünfstündige Massanella-Bergtour ist anspruchsvoll und spannend zugleich. Wer öfter in den Alpen unterwegs ist, dem mögen die mallorquinischen Gipfel vielleicht wenig fordernd erscheinen. Dennoch hat die Baleareninsel durchaus anspruchsvolle Touren auf Lager, wie man am Paradebeispiel Massanella erkennen kann. Am zweithöchsten Berg Mallorcas gilt es, fast 800 Meter im An- und Abstieg zu überwinden. Weite Geröllfelder und scharfkantige Steine erfordern zudem höchste Konzentration, Trittsicherheit und solide Trekkingschuhe.

Geschnürt werden diese am besten frühmorgens. Kurz nach sieben Uhr starten wir am Ausgangspunkt der Tour, am Coll de sa Bataia, nahe des gleichnamigen Restaurants und einer Tankstelle, die bereits auf 579 Metern Höhe liegen. Einen Parkplatz, der jedoch für Gäste reserviert ist, gibt es gegenüber der Gastwirtschaft. Oder an einer etwa 100 Meter nördlich rechts in die Urbanizacion es Guix abbiegenden Straße (Ma-10).

Zu Fuß geht es dann weiter, über die Brücke Richtung Inca und kurz darauf rechts hinein in einen Schotter-Waldweg. Auf schattigen Pfaden gelangen wir schließlich zu einem Maschendraht-Tor. Hier muss der Wanderer rechts über eine Holzleiter steigen und bei einem Häuschen sechs Euro Eintritt zahlen (man befindet sich auf dem zur Finca Comafreda gehörenden Privatgelände). Wir folgen dem Weg und biegen circa fünf Minuten später bei einer Mauer links in einen schmalen, steinigen Weg ein. Ab hier weisen uns Steinmännchen verlässlich den Weg nach oben.

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Kurze Verschnaufpause nach einer Stunde Wegzeit, gegen 08:15 Uhr. Unbedingt die (Handy-)Kamera zücken: Der Aufstieg zum Massanella bietet immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die Serra de Tramuntana.

Auf schattigen Pfaden machen wir schnell Höhenmeter. Wenig später gehen wir wieder auf einem staubigen Fahrweg nach oben und nähern uns dem Pass Coll de Linea (824 Meter). Hier markieren zwei markante Steinsockel den Weg zum Gipfel (Puig).

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Beim Aufstieg kommt man an diesem „Schneehaus“ vorbei. Hier wurde früher im Winter Gipfelschnee eingelagert und das Eis im Sommer verkauft.

Nachdem wir zwischen den Steinsockeln hindurch gegangen sind, folgen wir dem steinigen Pfad, der von Steinmännchen markiert wird. Das dichte Blattwerk der Bäume schützt uns vor der Sonne, die allmählich intensiver wird. Andere Wanderer sind uns bisher nicht begegnet.

Steil bergauf geht es nach oben. Diesen fantastischen Ausblick hatten wir etwa eine Stunde nach Tour-Beginn. Wer schon gegen 7 Uhr aufbricht, hat das Panorama fast immer ganz für sich allein.

Steil bergauf geht es nach oben. Diesen fantastischen Ausblick hatten wir etwa eine Stunde nach Tour-Beginn. Wer schon gegen 7 Uhr aufbricht, hat das Panorama fast immer ganz für sich allein.

Nachdem wir am „Avenc des Cami“ die 1.000 Höhenmeter überschritten haben, sehen wir einen vierkantigen Stein mit den zwei Aufschriften „Font y Puig“ und „Puig y Font“. Wir entscheiden uns für letztere Variante: Erst zum Gipfel und dann beim Abstieg an der Quelle vorbei. Also gehen wir nicht geradeaus sondern rechts nach oben. So hat man kurz vorm Gipfel noch einen flachen Abschnitt, um wieder Energie zu tanken.

Nach zweistündigem Aufstieg erreichen wir die „Pla de sa Neu“, die „Schnee-Ebene“. Hier ist es relativ flach und es weht oft ein kühler Wind. Eine leichte Softshell-Jacke kann auch im Sommer von Vorteil sein. Oben rechts (nicht links!) ist bereits der Gipfel zu sehen.

Nach zweistündigem Aufstieg erreichen wir die „Pla de sa Neu“, die „Schnee-Ebene“. Hier ist es relativ flach und es weht oft ein kühler Wind. Eine leichte Softshell-Jacke kann auch im Sommer von Vorteil sein. Oben rechts (nicht links!) ist bereits der Gipfel zu sehen.

Der flache Abschnitt liegt über der Baumgrenze auf etwa 1.200 Metern Höhe und ist eine mit Gras bewachsene Hochebene. Ein wenig Vorsicht ist angebracht, wenn man kurze Hosen trägt: teilweise sind die hier wachsenden Gräser sehr scharfkantig! Dem aufmerksamen Beobachter werden zwei Eiben auffallen, die nah beieinander zwischen den Felsen wachsen. Mehr Bäume gibt es nicht. Nachdem wir den rötlich-sandigen Boden der „Pla de sa Neu“ verlassen haben, wird es zusehends steiniger. Ein waches Auge und Trittsicherheit ist in den Geröllfelder unbedingt erforderlich.

Das kurz zuvor auf der „Schnee-Ebene“ dicht wachsende Dissgras wird immer seltener. Sehr steinig ist der Weg kurz vorm Gipfel. Ab hier sind es nur noch etwa 15 Minuten bis zum Ziel.

Das kurz zuvor auf der „Schnee-Ebene“ dicht wachsende Dissgras wird immer seltener. Sehr steinig ist der Weg kurz vorm Gipfel. Ab hier sind es nur noch etwa 15 Minuten bis zum Ziel.

In Serpentinen schlängelt sich der schmale Pfad nach oben, der teilweise nur durch vereinzelte Steinmännchen markiert ist. Es ist kurz vor 10 Uhr und wir liegen trotz zwei Pausen gut in der Zeit. Die Aussicht wird mit jedem Höhenmeter spektakulärer, der Gipfel des Massanella ist zudem in greifbare Nähe gerückt. Nach dem 20-minütigen Schlussanstieg haben wir unser Ziel erreicht!

Ein Selfie der vier Gipfel-Bezwinger darf nicht fehlen.

Ein Selfie der vier Gipfel-Bezwinger darf nicht fehlen.

Nach fast 800 Höhenmetern und gut zweieinhalb-stündigem Aufstieg eröffnet sich uns ein Panorama der ganz besonderen Art. Von hier oben sehen wir sogar den nördlichsten Punkt Mallorcas, Cap Formentor! Auch der uns wohlbekannte Cúber-Stausee, der Ausgangspunkt unserer Tour zum Puig de l’Ofre (bitte LINK setzen), schimmert tiefblau unterhalb des Puig Major.

Unweit des Gipfels befindet sich ein circa 25 Meter tiefer Karstschacht, der nicht abgesichert ist. Hier sollte man große Vorsicht walten lassen!

Unweit des Gipfels befindet sich ein circa 25 Meter tiefer Karstschacht, der nicht abgesichert ist. Hier sollte man große Vorsicht walten lassen!

Auch wenn die Uhr erst zehn zeigt, ist es schon ziemlich heiß. Ein schattiges Plätzchen wird man hier kaum finden. Wir sind froh, dass wir bereits so zeitig gestartet sind, und treten nach kurzer Rast den Abstieg an. Dieser führt uns zuerst in Richtung des Nebengipfels (1347 Meter), den wir beim Aufstieg in der Schnee-Ebene irrtümlicherweise höher eingeschätzt hatten, als den Massanella selbst. Nach rund 15 Minuten gilt es, am Fuße des Nebengipfels einen dreikantigen Steinwegweiser zu finden. Dieser markiert den Weg nach unten.

Der Abstieg bis zur Quelle erfordert viel Konzentration und Ausdauer: ist er doch durch sehr scharfkantige Felsen und tiefe Spalten zwischen den Steinen charakterisiert. Hier sollte man nicht Fehltreten!

Der Abstieg bis zur Quelle erfordert viel Konzentration und Ausdauer: ist er doch durch sehr scharfkantige Felsen und tiefe Spalten zwischen den Steinen charakterisiert. Hier sollte man nicht Fehltreten!

Langsam steigen beziehungsweise klettern wir hinunter und erreichen nach etwa halbstündigem Abstieg die Quelle „Font de s‘Avenc“ auf 1120 Höhenmetern. Vom Forscherdrang gepackt, steigen wir die Stufen hinab ins Dunkle.

Gespannt, was uns hinter der Biegung erwartet, steigen wir hinab zur „Font de s‘Avenc“.

Gespannt, was uns hinter der Biegung erwartet, steigen wir hinab zur „Font de s‘Avenc“.

Es ist stockfinster, die Quelle wenig spektakulär und der Geruch in der Höhle tut sein Übriges. Zu allem Überfluss werden wir noch von mehreren Insektenschwärmen attackiert und sehen uns gezwungen, den geordneten Rückzug von der „Fliegenquelle“ anzutreten.

Am „Avenc des Cami“ schließt sich der Kreis am Steinwegweiser und wir haben das beschwerlichste Stück des Abstiegs hinter uns. Von nun an geht es den altbekannten Weg zügig bergab zur Finca Comafreda. Hier kommen uns einige Wanderer mit Flip-Flops! entgegen, die offenbar auch zum Massanella gehen wollen. Abgesehen vom mehr als unzureichenden Schuhwerk ist es inzwischen 12 Uhr. Kein guter Zeitpunkt für einen Tour-Start!

Auf dem sandigen Weg der Finca Comafreda zeigt der Blick zurück den Gipfel „Es Frontó“, der 1063 Meter hoch ist.

Auf dem sandigen Weg der Finca Comafreda zeigt der Blick zurück den Gipfel „Es Frontó“, der 1063 Meter hoch ist.

Nachdem wir das Pförtnerhäuschen passiert haben, kommen wir etwa zehn Minuten später, ziemlich genau nach fünf Stunden, wieder am Coll de sa Bataia an. Am Ausgangspunkt genehmigen wir uns im Restaurant einen Snack sowie Getränke und lassen die herrliche Gipfelbesteigung Revue passieren. Fazit: Wer sportlichen Ehrgeiz hat und zudem gute Kondition nebst entsprechender Ausrüstung mitbringt, für den dürfte der Massanella eine mehr als lohnende Bergtour sein!

Artikel geschrieben von Lion Pfeufer

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David ist Gründer und Hauptautor von yourdailymilk.

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Mallorca, Wandern zum Puig de l’Ofre (1093 Meter)

1 Comment

  1. Klasse Tipp. Muss ich auch mal testen! Grüße, Alexander

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